Heilpraktikerin und Körpertherapeutin

Blogthema März: Ist Gluten wirklich schlecht für uns?

Gluten ist zu einem Thema unserer Zeit geworden. Viele Menschen ernähren sich glutenfrei, weil sie glauben, dass das ihre Beschwerden lindern kann.

In meiner Praxis empfehle ich glutenfreie Ernährung bei vielen Gesundheitsstörungen mit dem Effekt, dass es den Patienten tatsächlich oft besser geht.

Aber was steckt dahinter? Ist Gluten wirklich schlecht für uns? Was macht es in unserem Körper?

Was ist Gluten eigentlich?

Gluten ist ein einzigartiges Protein – ein Klebereiweiß. Und zwar ist es das einzige Protein, das wir Menschen nicht verdauen können. Gluten kommt im Weizen vor, glutenähnliche Proteine in Dinkel, Gerste und Roggen.

Unser Darm ist nicht in der Lage, Glutenproteine vollständig zu verdauen. Trotzdem wird es von einem großen Teil der Menschheit vertragen und gefahrenlos wieder ausgeschieden. Jedoch haben viele Menschen wegen der Aufnahme von Gluten Probleme, Beschwerden und Gesundheitsstörungen.

Was macht Gluten im Darm?

Unser Darm ist ein Organ mit lebenswichtigen Aufgaben. Er ist zuständig für die Nahrungsaufnahme und die Produktion von wichtigen Vitaminen und Botenstoffen. Außerdem ist der größte Teil des Immunsystems im Darm beheimatet. Es ist also äußerst wichtig, dass die Darmschleimhaut gesund ist, damit all diese Prozesse funktionieren. Dagegen ist das Leaky Gut Syndrom eine äußerst ungünstige Situation, die unseren Darm befallen kann.

Bei einem Leaky Gut werden die Verbindungen zwischen den Darmzellen (Tight Junctions) aufgelöst und es entsteht infolge ein durchlässiger Darm, der sich äußerst ungünstig auf unsere Gesundheit auswirkt und zu vielfältigen Störungen führen kann.

Der Botenstoff Zonulin in unserem Körper lockert gelegentlich diese Verbindungen zwischen den Darmzellen, um einzelne Proteine und Krankheitserreger aus dem Darm durchzulassen. Das ist ein physiologischer Mechanismus des Immunsystems, er dient der Überwachung des Darminneren.

Gluten aktiviert jedoch eine massive Ausschüttung von Zonulin. Dieser Vorgang ist nicht mehr physiologisch und zerstört unkontrolliert die Tight Junctions, so dass ein chronisches Leaky gut entsteht.

Gluten kann auch die Darmzellen direkt angreifen, sich an sie binden und somit Entzündungen auslösen.

Gluten und Gesundheitsstörungen

Es gibt drei bekannte Formen von Gesundheitsstörungen, ausgelöst durch Gluten:

  1. Zöliakie
  2. Weizenallergie
  3. Glutensensitivität

Zöliakie

Die Zöliakie zählt zu den genetischen Störungen. Sie ist eine Autoimmunreaktion auf Gluten mit der vollständigen Zerstörung der Dünndarmschleimhaut.

Von der Zöliakie ist ca. 1% der Gesamtbevölkerung betroffen. Es gibt eine hohe Dunkelziffer von Menschen, die nichts von ihrer Diagnose wissen, weil ihre jeweiligen Gesundheitsstörungen nicht als Zöliakie erkannt werden.

Die Symptome einer Zöliakie können sehr vielfältig sein und viele Bereiche des Körpers betreffen. Hier einige Aufzählungen:

  • Mundschleimhautentzündungen
  • Gelenkschmerzen
  • Ataxie (Störung der Bewegungskraft)
  • Bauchschmerzen, Durchfälle, Übelkeit
  • Eisenmangel, VitaminB12-Mangel
  • Fehlgeburten, Unfruchtbarkeit
  • Akne, Hautausschläge
  • Stimmungsschwankungen, Konzentrationsstörungen
  • “Benebelt fühlen”
  • Schwindel, Migräne
  • chronische Erschöpfung
  • Schilddrüsenunterfunktion

Es gibt aktuell keine Heilmethode für Zöliakie. Betroffene können jedoch ein normales, beschwerdefreies Leben führen, wenn sie vollständig auf Gluten verzichten.

Weizenallergie

Durch das Vorhandensein spezifischer Gluten-Peptide werden Immunzellen rekrutiert, die Antikörper gegen das Getreide herstellen (z.B. IgE-Antikörper). Diese Antikörper setzen Botenstoffe frei (wie z.B. Histamin), welche die allergischen Symptome erzeugen.

Symptome:

  • verstopfte Nase, geschwollene Nasengänge
  • Juckreiz, Irritationen an Mundschleimhaut
  • juckende, tränende Augen
  • Magenkrämpfe, Durchfall, Übelkeit
  • Atembeschwerden
  • Nessselsucht

Glutensensitivität

Die Glutensensitivität kommt sehr häufig vor. Sie wird von unserer angeborenen Immunabwehr gesteuert. Dieser Abwehrmechanismus gegen Gluten schädigt jedoch nicht die Darmschleimhaut. Dennoch können dabei nach dem Verzehr von Gluten vielfältige Beschwerden entstehen.

Symptome:

  • unspezifische, vielfältige Symptome
  • Bauchschmerzen, Übelkeit, Blähungen
  • Müdigkeit
  • Taubheit in den Extremitäten
  • Kopfschmerzen, Antriebslosigkeit
  • Ekzeme

Abgrenzung und Diagnose

Da die Symptome der oben genannten Gesundheitsstörungen sich sehr ähneln und oft unspezifisch sind, gibt es die Möglichkeit einer diagnostischen Abgrenzung zur Zöliakie.

Allerdings ist die Diagnose-Stellung einer Zöliakie sehr schwierig, denn leider kann auch bei negativen Befunden, eine Erkrankung nicht ausgeschlossen werden. Am leichtesten ist zu überprüfen, ob die Beschwerden bei glutenfreier Ernährung gelindert werden bzw. ganz aufhören.

Zöliakie Diagnostik

  • Anzeichen bzw. Symptome, die mit einer Zöliakie vereinbar sind
  • Serologische Screenings (Antikörper gegen Gliadin oder Transglutaminase)
  • Vorhandensein von genetischen Markern (HLA-DQ2 oder HLA-DQ8)
  • Nachgewiesene Schädigungen der Darmschleimhaut durch Endoskopie
  • Verschwinden der Symptome durch glutenfreie Ernährung

Prophylaxe Möglichkeiten

  1. Zonulin-Produktion blockieren
  2. Leaky Gut reduzieren
  3. Glutenreiche Nahrung für Kleinkinder bis zum ersten Lebensjahr hinausschieben (Hier gibt es Versuchsreihen und Einzelstudien mit vielversprechenden Ergebnissen – Quelle: “Die Wahrheit über Gluten”, Prof. Dr. Alessio Fasano)

Eine regelmässige Darmtherapie (z.B. die Einnahme von Probiotika, anderer schleimhautmodulierender Heilmittel sowie regelmässige Labordiagnostik) kann helfen, das Leaky Gut zu reduzieren und die Zonulin-Produktion zu dämmen.